Vorstadt und Erlaer Straße am Samstag

Das Wetter heute: warm und eigentlich ganz schön, aber ab und zu Schauer.

Dunkle Wolken über Schloss und Kirche, ein paar Meter weiter war blauer Himmel. Und: endlich mal wieder Enten im Schwarzwasser bei der Vorstadtbrücke gesehen.

Neue Farbe für zwei Häuser in der Erlaer Straße.

Die Stadtschule Schwarzenberg wurde am 2. Oktober 1889 als „1. Bürger- und Selektenschule“ eingeweiht, vor 130 Jahren. Das wird natürlich gefeiert, und zwar mit einer Festveranstaltung und einem Schulfest mit Spendenlauf. „130 Jahre“ ist auch an drei Fenstern der Schule zu lesen.

Ufos in der Stadtschule

Am heutigen Tag des offenen Denkmals war die Stadtschule 10 bis 16 Uhr geöffnet, es gab Vorträge zur Baugeschichte der Schule und zur Schulgeschichte in Schwarzenberg sowie Führungen durchs Gebäude und durch die Altstadt. Man kann x-mal an solchen Führungen teilnehmen und erfährt doch immer wieder etwas Neues, es lohnt sich eigentlich immer.

2019 ist ein besonderes Jahr für die Stadtschule, denn am 2. Oktober 1889 war die feierliche Einweihung der „1. Bürger- und Selektenschule“ in der Erlaer Straße. Zuvor hatten sich Unterrichtsräume in ganz verschiedenen Gebäuden in der Altstadt befunden, manche stehen noch, andere schon lange nicht mehr. Die Stadtschule feiert also 130. Geburtstag und schaut auf eine bewegte Geschichte mit vielen Umbrüchen zurück: Schulform, Schülerzahlen, Name der Schule, An- und Umbau und Sanierungsarbeiten … ein spannendes Stück Stadtgeschichte.

Die Stadt Schwarzenberg ist Träger der Stadtschule, im Stadtrat wurde kürzlich die Ausschreibung der Arbeiten zur denkmalgerechten Sanierung der Fassade beschlossen, dort wird sich also früher oder später etwas tun. Innen wirkt die Schule hell und freundlich, obwohl die letzte grundhafte Sanierung auch schon wieder zwanzig Jahre her ist. Ins Auge fallen besonders die Deckenlampen in den Gängen und der Aula, die durchaus an Ufos erinnern …

www.stadtschule-schwarzenberg.de

Tag des offenen Denkmals mit Stadtschule und Brecht-Gymnasium Schwarzenberg

Diesen Sonntag, den 8. September 2019, ist Tag des offenen Denkmals, den die Deutsche Stiftung Denkmalschutz alljährlich koordiniert. Das Thema lautet diesmal: „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur.“ Schwarzenberg ist dabei, und zwar mit der Stadtschule und dem Bertolt-Brecht-Gymnasium, die jeweils von 10 bis 16 Uhr für alle Interessierten geöffnet sind.

Stadtschule Schwarzenberg

1888 begann der Bau der Stadtschule, 1889 wurde der Schulbetrieb aufgenommen, am 2. Oktober 2019 wird also 130 Jahre Stadtschule gefeiert. Im Laufe der Zeit wurde die Schule mehrfach um- und angebaut. Dazu gibt es Vorträge und anschließend Führungen durchs Gebäude:

– 10 Uhr Vortrag zur Baugeschichte der Stadtschule von Bauplaner Henrik Tischer
– 11, 13 und 14.30 Uhr Vorträge zur Geschichte der Stadtschule und zur Schulgeschichte der Stadt Schwarzenberg vom Schwarzenberger Türmer Gerd Schlesinger und vom Stadtführer Heinz Grieger

Bertolt-Brecht-Gymnasium Schwarzenberg

Hier kann man sich am Sonntag über die Geschichte des Hauses mit wechselnden Nutzungen sowie die jüngsten Baumaßnahmen informieren. Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schüler geben Auskunft.

-> Stadtverwaltung Schwarzenberg (PM), www.schwarzenberg.de
-> www.tag-des-offenen-denkmals.de

Parkhaus am Forstparkplatz: von 80 auf 177 Stellplätze

Am Montag fand die letzte Sitzung des alten Stadtrats von Schwarzenberg statt. Ein Thema war der „Grundsatzbeschluss zum Neubau eines Parkhauses auf dem Flurstück 259/1 (ein Teil des jetzigen Forstparkplatzes)“. Die Stadträtinnen und Stadträte stimmten fast geschlossen dafür. Es gab nur eine Gegenstimme und zwei Enthaltungen. Damit ist ein Parkhaus am Forstparkplatz noch nicht beschlossen. Aber natürlich ist das ein großer Schritt auf dem Weg dahin.

Am interessantesten finde ich, dass es bei der Abstimmung am Montag plötzlich um ein Parkhaus mit sage und schreibe 177 Stellplätzen ging. Im Bebauungsplan-Entwurf von Anfang dieses Jahres war von 80 Stellplätzen die Rede. Quasi von jetzt auf sofort mehr als doppelt so viele.

Zum Vergleich: Das Ring-Center-Parkhaus hat 550 Stellplätze. Ein Drittel von 550 sind 183. Fast ein Drittel der Autos, die ins Ring-Center-Parkhaus passen, soll also in einem Parkhaus am Forstparkplatz Platz finden. Das am Hang gebaut werden soll. Man schaue sich den Platz dort mal an. Wie hoch und groß wäre ein solches Parkhaus? Wie sehr würde es das Gesamtbild der Altstadt stören? Mit wie viel mehr Verkehr wäre direkt gegenüber der Stadtschule zu rechnen? Wie viele Bäume würden nach dem Bau noch stehen? Genau dort, wo gebaut würde, leben die seltenen Feuersalamander – egal?

Immer wieder stellt sich die Frage: Warum schießen sich Stadtverwaltung und Stadtrat dermaßen auf den Forstparkplatz als Parkhausstandort ein? Es gibt Alternativen. Auf dem Hammerparkplatz und auf dem Finanzamt-Parkplatz zum Beispiel ist kein Fels im Weg, kein Baum müsste extra gefällt werden. Warum der Forstparkplatz?

In einer Zeit, in der wir offensichtlich mit immer extremeren Wetterlagen rechnen müssen und im Sommer gerade in der Stadt jeder Baum gegen die glühende Hitze hilft, will die Stadt ein Stück Stadtgrün ohne Not zerstören. Für Autos.

Noch mal zu den 177 Stellplätzen: 75 % davon wären für Dauerparker vorgesehen, 25 % für Kurzzeitparker, also 133 vs. 44. Die Beschlussvorlage aus der Stadtratssitzung am Montag sah vor, weitere Leistungen zum Parkhaus-Projekt erst zu vergeben, wenn zuvor 75 % der Dauerstellplätze verbindlich, und zwar mit Vertrag, vergeben wären, demnach 100 Stellplätze. In der Stadtratssitzung wurde diese Zahl laut Freie Presse auf Antrag des CDU-Stadtrats André Dürigen auf 75 gesenkt.

Für den Bau eines Parkhauses an der Stelle, inklusive Planung usw., sind in der Beschlussvorlage von Montag „circa“ 2,8 Millionen Euro netto veranschlagt. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es bei diesem Betrag nicht bleiben, und bei der Betreibung eines Parkhauses fallen laufend Unterhaltungskosten an.

2,8+ Millionen Euro also für ein Parkhaus, bei dem von 177 Stellplätzen 133 an Dauerparker vergeben werden, die in der Altstadt leben und arbeiten. Bei den restlichen 44 Stellplätzen für Kurzzeitparker ist die Frage: Wer wird die nutzen? Wer wird fürs Parken Geld bezahlen, wenn er direkt in der Altstadt umsonst parken kann?

Logisch wäre doch: Wenn schon ein Parkhaus für die Altstadt, dann an einem Standort, wo möglichst günstig gebaut werden kann und nicht negativ in das Stadtbild eingegriffen wird.

(Foto: Forstparkplatz 27. Juni 2019)

Forstparkplatz versus Parkhaus, der aktuelle Stand (oder: Was die Freie Presse darüber schreibt und was nicht)

Wenn es in den letzten Jahren in der Freien Presse um den Forstparkplatz ging, konnte man sich auf eins verlassen: dass erwähnt wird, wie sanierungsbedürftig er sei. Dazu gibts dann ein entsprechendes Foto von der Hangseite, das möglichst liederlich aussieht. Man könnte direkt den Eindruck bekommen, dass der Parkplatz in einem schlimmeren Zustand ist als einige Straßen im Stadtgebiet. Dem ist nicht so.

Seit Januar liest man nun in jedem Freie-Presse-Artikel zum Forstparkplatz vom Brand im Brunnengraben. Anfang Januar hat es dort gebrannt und die Feuerwehr hatte Probleme, zu dem Haus zu kommen. In diesen Januartagen lag viel Schnee, und in der Altstadt ist schlicht kein Platz für viel Schnee, der türmt sich und muss irgendwann weggefahren werden. Parken wurde bis zu diesem Brand im Brunnengraben geduldet. Mittlerweile ist es verboten, dazu wurden auch neue Schilder aufgestellt.

Im Brunnengraben darf also nicht mehr wild geparkt werden, aber die Altstadt ist natürlich nach wie vor zugeparkt, und das Allheilmittel dagegen, so bringt es die Freie Presse wenig suggestiv in ihren Artikeln rüber, wäre ein Parkhaus.

Dieses Parkhaus würde die Stadt nun gerne auf dem Forstparkplatz bauen. Das Parkhaus soll nach aktuellem Stand drei Geschosse haben, ein Erdgeschoss und zwei Untergeschosse. 80 Stellplätze würde es bieten. 54 davon wären Stellplätze für Dauerparker, also Anwohner und Gewerbetreibende.

Ein Parkhaus für die Altstadt wird vielleicht tatsächlich gebraucht, auch da gibt es verschiedene Meinungen. Vor allem scheiden sich aber die Geister daran, was ein passender Standort dafür wäre. Ergebnisoffen schien die Suche nie zu sein, von Anfang an wurde der Forstparkplatz als einziger ernstzunehmender Kandidat gehandelt.

Argumente gegen den Forstparkplatz als Parkhausstandort findet man in der Freien Presse nicht. Dabei lassen sich ziemlich schnell so einige zusammentragen:

  • Direkt gegenüber ist die Stadtschule. Ein Parkhaus würde nicht zur Verkehrsberuhigung dieser vielbefahrenen Straße beitragen.
  • Das Erste, was man von der Altstadt aus Richtung Erlaer Straße kommend sehen würde, wäre ein Parkhaus.
  • Wo käme die Bushaltestelle hin?
  • Die kostenlosen Stellplätze auf dem Forstparkplatz würden wegfallen. Parken im Parkhaus wäre kostenpflichtig.
  • Die alten Linden am Forstparkplatz würden gefällt werden. Weniger Grün in der Stadt, ein Rückzugsort für Vögel, Insekten, Fledermäuse und Co. weniger.
  • Es wäre ein offenes Parkhaus, also Licht- und Lärmbelästigung für die Anwohner.
  • Die Kosten. Wie viel kostet es, auf diesem schwierigen Untergrund ein Parkhaus zu bauen? Wie viel würde die Stadt aus ihren Mitteln bezahlen, die anderswo dringender benötigt würden?
  • Es ist zudem fraglich, ob ein Parkhaus die Parksituation in der Altstadt tatsächlich entspannen würde. Geld fürs Parkhaus bezahlen, wenn das Parken in der Altstadt kostenlos ist? Es ist nicht geplant, die Altstadt autofrei zu machen, also werden dort auch Autos parken. Alles andere ist leider eine Illusion.

Jetzt könnte man sich fragen, wo stattdessen ein Parkhaus gebaut werden könnte. Dazu waren in der Vergangenheit auch verschiedene Vorschläge zu hören, zum Beispiel: auf dem Hammerparkplatz (wo ja schon alles erschlossen ist), auf dem Finanzamtparkplatz, Herrenmühle abreißen und dort ein Parkhaus bauen usw.

Der Stadtrat hat kürzlich die geänderten Bebauungspläne im Areal Vorstadt/Forstparkplatz abgesegnet, womit der Bau eines Parkhauses an dieser Stelle theoretisch möglich wäre – obwohl unter anderem BUND, NABU, Pro Natur Westerzgebirge e. V. und die Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (LAG) den Vorentwurf des Bebauungsplans ablehnten. Beschlossen ist der Bau eines Parkhauses dort jedoch noch nicht. Wie es weitergeht mit einem Parkhaus für die Altstadt, vielleicht ja auch an einem anderen Standort, wird sich vermutlich erst nach der Wahl am 26. Mai zeigen.

(Die Fotos sind von Freitag, dem 10. Mai 2019.)