Landratswahl Erzgebirgskreis und Oberbürgermeisterwahl Schwarzenberg am 7. Juni 2015: Zahlen, Fakten, Fazit

Diesmal gab es keine gefühlt meterlangen Stimmzettel, sondern zwei kleine, auf denen lediglich fünf bzw. drei Namen standen: Die Kreuze waren am 7. Juni 2015 zur Landratswahl im Erzgebirgskreis und zur Oberbürgermeisterwahl in Schwarzenberg schnell gesetzt.

Entsprechend schnell kamen auch die Ergebnisse heraus. Gab es eine Überraschung? Nein. Alles bleibt beim Alten. Landrat ist weiterhin Frank Vogel, CDU, und Oberbürgermeisterin von Schwarzenberg wurde heute zum dritten Mal in Folge und an ihrem dreiundsechzigsten Geburtstag Heidrun Hiemer, ebenfalls CDU.

Hier sind die Zahlen (Angaben ohne Gewähr, Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen):

Oberbürgermeisterwahl Schwarzenberg am 7. Juni 2015

  • Wahlberechtigte: 14.844
  • Wählerinnen und Wähler: 6.245 (42,1 %)
  • ungültige Stimmen: 190 (3 %)
  • gültige Stimmen: 6.055 (97 %), davon:
    – Heidrun Hiemer (CDU): 4.398 (72,6 %)
    – Martin Kandt (FDP): 810 (13,4 %)
    – Christian Becher (AfD): 847 (14,0 %)

In Schwarzenberg waren zur OBM-Wahl 14.844 Menschen wahlberechtigt und hatten vor circa sechs Wochen eine Wahlbenachrichtigung im Briefkasten. Von all diesen Leuten sind 6.245 heute zum Wahllokal gegangen oder haben vorher Briefwahl gemacht. Ganze 8.599 hatten keine Lust zu wählen, waren krank bzw. verhindert oder der Meinung, „dass das ja eh nichts bringt“ usw.

Was allerdings interessant ist: Bei der vorigen OBM-Wahl im Jahr 2008 lebten in Schwarzenberg noch 16.236 Wahlberechtigte, immerhin 1.392 mehr als 2015 mit 14.844. Es geht also bergab mit Schwarzenberg, zumindest bevölkerungsstatistisch gesehen – die alten Wahlberechtigten sterben und es wachsen zu wenig junge nach bzw. die jungen Leute gehen weg.

Heidrun Hiemer wurde vor sieben Jahren mit 72,9 % gewählt, 2015 sind es 72,6 %. 2008 lag die Wahlbeteiligung insgesamt bei 46,9 % (7.622 Wähler) gegenüber 42,1 % (6.245 Wähler) in 2015.

Man könnte jetzt sagen, dass die 57,9 % Nicht-Wahlgänger Heidrun Hiemer nicht gewählt haben, aber wen diese 8.599 Menschen gewählt hätten, wären sie zur Wahl gegangen, wird nie jemand erfahren. Wer nicht wählt, ist selbst schuld bzw. wird genauso regiert wie die, die wählen gehen. So ist das eben. Und meckern hat die Welt noch nie verändert, man muss schon was tun.

Es ist zwar bequem, über „die Politiker“ zu schimpfen und von Revolution oder was auch immer zu träumen, aber „die Politiker“ sind stinknormale Menschen, genauso ehrlich, integer, korrupt, intelligent, dumm, scheinheilig, zuverlässig, karrieregeil, verantwortungsbewusst usw. wie alle Menschen bzw. Nicht-Politiker auch. Und das politische System, tja. Es gibt heute mehr Möglichkeiten denn je, etwas zu ändern oder deutlich zu machen, was einem selbst bzw. einer Gruppe von Menschen nicht passt. Wenn allerdings sagen wir mal 95 % sich in ihrer kleinen, mehr oder weniger heilen Welt einigeln und sich nicht die Bohne für Politik, ob vor der Haustür oder in Dresden, Berlin, Brüssel interessieren, und nur 5 % aktiv mitmischen und etwas ändern wollen – dann bleibt alles beim Alten. Amen!

Landratswahl Erzgebirgskreis am 7. Juni 2015

  • Wahlberechtigte: 295.774
  • Wählerinnen und Wähler: 127.065 (43 %)
  • ungültige Stimmen: 3.422 (2,7 %)
  • gültige Stimmen: 123.643 (97,3 %), davon:
    – Frank Vogel (CDU): 72.529 (58,7 %)
    – Antje Feiks (DIE LINKE): 23.489 (19,0 %)
    – Ronny Kienert (SPD): 12.686 (10,3 %)
    – Michael Weichert (GRÜNE): 5.851 (4,7 %)
    – Rico George (NPD): 9.088 (7,4 %)

Frank Vogel hat die Wahl mit 58,7 % (72.529 Stimmen) deutlich gewonnen, es wird keinen zweiten Wahlgang geben. Im Vergleich zur vorigen Wahl im Jahr 2008 hat er sich sogar verbessert, damals wurde er im zweiten Wahlgang mit 55,8 % (47.789 Stimmen) gewählt, bei einer Wahlbeteiligung von 26,6 % (im ersten Wahlgang hatte er 42,9 % bei einer Wahlbeteiligung von 48,4 %).

2008 waren 325.972 Menschen im Erzgebirgskreis wahlberechtigt, 2015 nur noch 295.774, das sind 30.198 weniger. Der Bevölkerungsrückgang ist also ein „Trend“ im ganzen Landkreis, und natürlich kein neuer.

Landratswahl Erzgebirgskreis am 7. Juni 2015, Abstimmung in Schwarzenberg

  • Wahlberechtigte: 14.926
  • Wählerinnen und Wähler: 6.251 (41,9 %)
  • ungültige Stimmen: 166 (2,7 %)
  • gültige Stimmen: 6.085 (97,3 %), davon:
    – Frank Vogel (CDU): 3.599 (59,1 %)
    – Antje Feiks (DIE LINKE): 1.347 (22,1 %)
    – Ronny Kienert (SPD): 395 (6,5 %)
    – Michael Weichert (GRÜNE): 283 (4,7 %)
    – Rico George (NPD): 461 (7.6 %)

Wenn man die Landratswahl-Zahlen für den ganzen Erzgebirgskreis mit denen von Schwarzenberg vergleicht, gibt es da keine größere Abweichung, Schwarzenberg liegt absolut im Kreis-Durchschnitt. Ins Auge fällt lediglich, dass LINKE-Kandidatin Antje Feiks im Erzgebirgskreis 19,0 % hat und in Schwarzenberg 22,1 % – und dass SPD-Kandidat Ronny Kienert im Erzgebirgskreis 10,3 % holte, in Schwarzenberg jedoch nur 6,5 %.

Abschließend wundere ich mich noch ein wenig: Während für die OBM-Wahl in Schwarzenberg 14.844 Schwarzenbergerinnen und Schwarzenberger wahlberechtigt waren, durften 14.926 Schwarzenbergerinnen und Schwarzenberger ihre Stimme für die Landratswahl abgeben. Eine solche Differenz findet sich auch bei den anderen Städten und Gemeinden. Falls es dafür einen triftigen Grund gibt, will er mir akut einfach nicht einfallen.

((Text: Andrea Groh, Schwarzenberg-Blog, Zahlen: Statistisches Landesamt Sachsen))

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Die Straße der Einheit in Schwarzenberg am 7. Juni 2015: Eine Spur der Straße ist wegen Bauarbeiten gesperrt, die Fahne ist am Wahltag gehisst, hängt aber runter, und hinter viel Grün ist das Rathaus zu sehen.

(Wahlergebnisse auf der Website des Statistischen Landesamtes Sachsen -> OBM-Wahl Schwarzenberg 2015 und 2008, Landratswahl Erzgebirgskreis 2015 und 2008, Landratswahl Erzgebirgskreis, Abstimmung in Schwarzenberg 2015 und 2008)

Landratswahl am 7. Juni: CDU-Kandidat Frank Vogel

Am 7. Juni 2015 sucht der Erzgebirgskreis einen neuen Landrat oder eine neue Landrätin. Zur Wahl stehen drei Kandidaten und eine Kandidatin: Antje Feiks von DIE LINKE, Michael Weichert von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Ronny Kienert von der SPD und der amtierende Landrat Frank Vogel von der CDU. Ich habe allen vier Kandidaten Fragen gesendet: zu ihrer Person, zum Erzgebirgskreis und dazu, was sie als Landrat bzw. Landrätin bewegen wollen.

Hier sind die Antworten von Frank Vogel, CDU

vogel_frank_2014Stellen Sie sich bitte vor: Wer sind Sie?
Ich heiße Frank Vogel, bin vor 58 Jahren in Sosa, einem Ortsteil von Eibenstock im Erzgebirge, geboren und bis heute dort wohnhaft. Ich bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Seit 2008 bin ich Landrat unseres schönen Erzgebirgskreises mit Dienstsitz in der Kreisstadt Annaberg-Buchholz.

Warum sind Sie Politiker?
Ich bin Politiker, weil ich gerne mit und für Menschen arbeite. Wenn ich etwas tue, dann mit ganzem Herzen und ganzer Kraft. Etwas halbherzig zu tun, führt nicht zum Erfolg. Das war und ist meine Lebensmaxime. Ich habe seit 1988 bis heute bewusst Verantwortung übernommen, damit sich unser Erzgebirge gut entwickelt. So war ich Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes und Gemeinderat in meinem Heimatort Sosa, Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Aue-Schwarzenberg und bin nun seit 2007 Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Erzgebirge.

Ihre bisherige politische Laufbahn:
Beruflich war ich als studierter Diplombetriebswirt sowie Verwaltungsbetriebswirt ab 1990 Erster Beigeordneter des Landrates im Landratsamt Aue, ab 1994 nach der Landkreisfusion im Landratsamt Aue-Schwarzenberg, u. a. auch als Dezernent der Finanz- und Hauptverwaltung, im Gesundheits- und Sozialwesen, der Schulverwaltung und weiterer Fachbereiche tätig. Dieses breite Spektrum hat mir sehr viele Einblicke in die Praxis vermittelt, die mich in die Lage versetzt haben, wichtige Entscheidungen für die Region vorbereiten und letztlich treffen zu können. Und in den Jahren nach 1990 bedurfte vieles einer Entscheidung, oftmals auch schnell und pragmatisch. Es war eine spannende Zeit, vor allem reich an Lebenserfahrung, von der ich heute noch partizipieren kann.
Eine erneute und vor allem große Herausforderung war die Wahl zum Landrat des Erzgebirgskreises im Jahr 2008 und die damit verbundene Zusammenführung von vier Altlandkreisen mit allen verbundenen Herausforderungen.
Seit November 1984 bin ich Mitglied der CDU. War unter anderem von 1985 bis 2005 Schatzmeister und von Oktober 2005 bis Anfang Juni 2007 Vorsitzender im Kreisverband Aue-Schwarzenberg. Seit dem 9. Juni 2007 bin ich Vorsitzender des Kreisverbandes Erzgebirge.

Warum wollen Sie wieder Landrat des Erzgebirgskreises werden?
Als Landrat an der Spitze des bevölkerungsreichsten Landkreises in Ostdeutschland zu stehen, war und ist eine große und zugleich auch schöne Aufgabe. Dieses Amt innezuhaben, muss man wollen und unbedingt auch leben, ohne Wenn und Aber. Das persönliche Zeitbudget umfasst eine 7-Tage-Arbeitswoche. Das ist für mich die Basis, um bei meinen vielen Besuchen in Unternehmen, Vereinen und Verbänden, sozialen Einrichtungen und Kirchgemeinden, im Gespräch mit den ErzgebirgerInnen vor Ort aufzunehmen, wie bestimmte Entwicklungen greifen und welche Themen oder Probleme vorhanden sind. Ich stelle mich bewusst wieder der Wahl zum Landrat. Ich möchte mit dem erneuten Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger unseres Landkreises die bisher gute Entwicklung weiter fortsetzen. Dazu brauche ich den offenen und ehrlichen Dialog, insbesondere über das, was wir noch tun müssen. Ich bin dafür Probleme anzusprechen, machbare Wege aufzuzeigen und sie auch künftig zu gehen. Eine ehrliche Politik zu praktizieren, das bin ich den Erzgebirgern schuldig.

Sie sind seit 2008 Landrat: Was ist Ihr Resümee?
Ich meine, wir sind mit dem, was wir im Erzgebirgskreis in den letzten sieben Jahren erreicht haben, gut aufgestellt. Unsere Heimat ist eine lebens- und liebenswerte Region für Jung und Alt.
Es galt, und das ist einmalig in Sachsen, vier Altlandkreise zu einem funktionierenden Landkreis zusammenzuführen, dies mit zum Teil unterschiedlichen finanziellen wie auch strukturellen Ausgangslagen. So konnte ich in meiner Amtszeit auf viele engagierte Menschen zählen, die sich mit mir gemeinsam diesen vielen Herausforderungen gestellt haben. Dafür bin ich sehr dankbar. Unsere Bilanz kann sich nicht nur in Sachsen sehen lassen. Der Erzgebirgskreis wird mit Respekt wahrgenommen. Ich kann auch sagen, dass im Kreistag zu wichtigen Vorhaben über Parteigrenzen hinweg überwiegend Konsens erzielt wurde. Das zeugt von hohem Demokratieverständnis, gegenseitiger Achtung und Respekt. Es stand stets das Wohl unseres Landkreises und seiner Bürgerinnen und Bürger im Vordergrund.

Was ist für Sie „typisch Erzgebirge“?
Diese Frage auf einen Nenner zu bringen, ist nicht ganz einfach. Fragt man das Touristen, dann wird das Erzgebirge als „Weihnachtsland“ mit seinen einzigartigen erzgebirgischen Figuren, Pyramiden und Schwibbögen wahrgenommen. Dazu gehören die vielen Bergparaden zur Advents- und Weihnachtszeit, die Weihnachtsmärkte und vieles mehr.
Für mich persönlich ist uns Erzgebirgern die besondere Verbundenheit zu unserer Heimat, zu unseren Traditionen und Bräuchen, zu den überlieferten Werten wichtig. Alles kommt vom Bergwerk her! Das, was unsere Vorfahren in den Jahrhunderten durch ihre Arbeit, ihren Fleiß und ihre Beharrlichkeit geschaffen haben, erfüllt uns heute noch mit Stolz. Wir Erzgebirger schöpfen aus diesen Werten die eigene Kraft. Es ist gerade heute in dieser medialen und schnelllebigen Zeit wichtig, unseren jungen Menschen Halt und Werte zu vermitteln. Über Wertevermittlung erlangt man eigene Identität. Die eigene Identität gibt Halt und Kraft für das Leben.
Und fragt man Erzgebirger nach der schönsten Jahreszeit, so wird man des Öfteren hören: Das ist die fünfte Jahreszeit – unsere erzgebirgische Weihnachtszeit.

Welche Vision bzw. Vorstellungen haben Sie für den Erzgebirgskreis, konkret bezüglich: mehr Bürgerbeteiligung, ÖPNV, Drogenprävention, Fachkräftemangel, Überalterung, Ärztemangel, Umweltschutz, Umbau des Erzgebirgsstadions, Tourismus?
Ich möchte, dass unser Landkreis auch für die Zukunft eine attraktive Region zum Arbeiten, Leben und Urlauben, zudem eine sichere Region bleibt. Deshalb möchte ich den Landkreis infrastrukturell und damit auch wirtschaftlich weiter stärken.
Zu einer attraktiven Region gehören ein gut ausgebautes Straßennetz, schnelles Internet, gute Bildungseinrichtungen, ein gut funktionierender öffentlicher Nahverkehr, der Erhalt von Kultur- und Sporteinrichtungen, ein funktionierendes Gemeinwesen, vor allem ein Mit- und Füreinander.

Gute Kooperationsnetzwerke, intakte regionale Wirtschaftskreisläufe und ein professionelles Regionalmarketing sind für die wirtschaftliche Entwicklung unerlässlich. Jungen Menschen Zukunftsperspektiven aufzuzeigen und damit der regionalen Wirtschaft gute Fachkräfte zuzuführen muss weiterhin gemeinsames Ziel von Landkreis, Schulen und Unternehmen sein. Ich setze deshalb weiter auf Investitionen in Bildung und Fachkräfteentwicklung. Genauso wichtig ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Unterstützung von Alleinerziehenden, Eltern und Kindern in Kindergärten, Schule und Freizeit, die durch kluge Kommunalpolitik weiter gestärkt werden muss.

Kultur und Sport gehören ebenfalls unbedingt zu einer intakten Gesellschaft. Deshalb widme ich der gezielten Förderung des Breiten- und Leistungssports meine Aufmerksamkeit ebenso wie den vielfältigen kulturellen Einrichtungen. Dies schließt die notwendigen Investitionen in das Sparkassen-Erzgebirgsstadion ein.

Für ein sicheres Erzgebirge sind zudem die Bekämpfung der Drogenkriminalität und insbesondere die Aufklärungsarbeit an den Schulen wichtig. Ich stehe hier für die weitere Sicherheitspartnerschaft mit der Sächsischen Polizei, der Bundespolizei und dem Zoll. Zum Thema Sicherheit gehört aber auch ein flächendeckender leistungsstarker Rettungsdienst sowie ein flächendeckendes System von gut ausgestatteten Krankenhäusern. Die größte Herausforderung ist die Gewinnung von Ärzten für den ländlichen Raum. Hier sollten wir aber auch offen sein für neue Wege und Modelle, z. B. aus dem Bereich der Telemedizin.

Zu einer attraktiven Region gehört auch eine intakte Natur und Umwelt. Dies wiederum ist die Voraussetzung für die touristische Entwicklung. Das Erzgebirge ist nach Dresden die bedeutendste Tourismusregion Sachsens und im Vergleich deutscher Mittelgebirge vom Bekanntheitsgrad mittlerweile auf Platz drei hinter dem Schwarzwald und dem Bayerischen Wald. Mit großem Engagement arbeiten wir auf die Verleihung des UNESCO-Welterbetitels hin. Dies ist eine einmalige Chance für unser schönes Erzgebirge.

Der Landkreis wird zudem in Eigenes, ob Kultur, Sport, Bildung, Krankenhäuser, ohne Abstriche weiter investieren. Ich halte den Umbau des Stadions für richtig, weil es auch ein wichtiger Imageträger des Erzgebirges ist. Der Kreistag wird abwägen, wie viele Millionen wir dafür ausgeben werden.
Um all das realisieren zu können, müssen wir auch immer wieder auf eine solide Haushaltsführung achten. Denn die Nutzung von Förderprogrammen wird auch perspektivisch nur möglich sein, wenn man die erforderlichen Eigenmittel dazu hat. Und bei all dem müssen wir uns auch verdeutlichen, dass der Erzgebirgskreis ein Teil Sachsens, ein Teil Europas ist. Wir sind Teil des Ganzen, haben durchaus Rahmenbedingungen zu beachten und können unsere Entwicklung nicht losgelöst sehen. Ich denke, wir sollten jedoch wie bisher auch eigene Wege gehen, uns nicht alles vorschreiben lassen. Der Erzgebirger ist von dem Menschenschlag, der nach machbaren Lösungen sucht, sie meistens findet und oftmals pragmatisch umsetzt. Das sehe ich regional auch als eine unserer Stärken an.

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Website von Frank Vogel: www.frankvogel-erzgebirge.de

(Foto: Frank Vogel © Landratsamt Erzgebirgskreis)

Landratswahl am 7. Juni: LINKEN-Kandidatin Antje Feiks

Am 7. Juni 2015 sucht der Erzgebirgskreis einen neuen Landrat oder eine neue Landrätin. Zur Wahl stehen drei Kandidaten und eine Kandidatin: Antje Feiks von DIE LINKE, Michael Weichert von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Ronny Kienert von der SPD und der amtierende Landrat Frank Vogel von der CDU. Ich habe allen vier Kandidaten Fragen gesendet: zu ihrer Person, zum Erzgebirgskreis und dazu, was sie als Landrat bzw. Landrätin bewegen wollen.

Hier sind die Antworten von Antje Feiks, DIE LINKE

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Stellen Sie sich bitte vor: Wer sind Sie?
Mein Name ist Antje Feiks, ich bin 36 Jahre alt und von Beruf Diplombetriebswirtin (BA). Während und nach meinem Studium habe ich in Sachsen und Frankfurt/M. als Produktmanagerin im Tourismus gearbeitet und war für Einkauf, Verkauf, Vermarktung von Reisezielen zuständig. Seit 2009 bin ich Landesgeschäftsführerin der LINKEN in Sachsen.
Freiheit ist mir wichtig und Ungerechtigkeit macht mich rasend. Deshalb bin ich bei meiner Partei gelandet. Ich meckere lieber weniger, sondern verbeiße mich gern in Herausforderungen. Dabei versuche ich Möglichkeiten zu finden, Probleme zu lösen oder Verbesserungen herbeizuführen, oft auch unkonventionell. Mich schreckt auch nicht ab, wenn es schon zig Leute vor mir versucht haben. Und meist finde ich dann auch einen Dreh.
Ansonsten ist mir meine Familie wichtig und enge Freunde. Der Personenkreis erdet, führt Debatten aus einem anderen Blickwinkel. Das ist mir wichtig.
Ruhig geht es bei mir nie zu, sondern gute Laune und Enthusiasmus begleiten mich.

Warum sind Sie Politikerin?
Ich glaube, dass ich nicht die typische Politikerin bin, wenn ich ehrlich bin. Auch in meiner Partei gibt es eingetrampelte Pfade, die ich gern verlasse, weil ich der Auffassung bin, dass Politik nach alten Mustern ausgedient hat. Wenn ich im Landtag Debatten verfolge, ist die Sprache der PolitikerInnen so weit weg vom Alltag. Das ist nicht gut, weil genau das Leute ausschließt und abgehoben wirkt. Mir ist es wichtig, sinnvolle Dinge zu tun, Engagement zu unterstützen, Ideen voranzutreiben und in Konzepte umzuwandeln und schließlich auf den Weg zu bringen. Ich arbeite gern mit vielen Leuten, weil das die besten Ergebnisse bringt. All das kann ich in meiner Partei sehr gut und bin da auf Offenheit gestoßen, obwohl ich vermutlich etwas aus der Art schlage. Deshalb bin ich bei der Politik gelandet. Klar kann ich auch politische Reden schwingen, wenn es sein muss.
Trotzdem lasse ich mich vom Alltag nicht einnehmen, sondern versuche die verschiedenen Perspektiven im Blick zu behalten. Da mir das wichtig ist, habe ich irgendwann beschlossen, dass die mich nicht loswerden.

Ihre bisherige politische Laufbahn in fünf Sätzen:
Die ist kurz. Ich war als Mitarbeiterin in der Landesgeschäftsstelle der LINKEN in Elternzeitvertretung beschäftigt, hatte Glück, dass eine andere Stelle frei wurde. 2009 wurde dann Rico Gebhardt Landesvorsitzender, damit war das Amt des Landesgeschäftsführers vakant. Mit meiner Erfahrung und vielleicht auch mit der Angst, wer oder was Schlimmes kommen könnte, habe ich mir ein Herz gefasst und selbst kandidiert.

Warum wollen Sie Landrätin des Erzgebirgskreises werden?
Ich wohne in Dresden und komme durch meine Tätigkeit rum in Sachsen. Mir fällt auf, dass es in der Fläche, also den riesigen Landkreisen unglaublich viel schwerer ist, beteiligende Politik zu gestalten. Zumal die CDU auch keine Lust darauf hat. Ich bin schon eine Weile mit dem Kreisverband Erzgebirge im Gespräch und wollte mein ehrenamtliches Engagement hierher verlagern, weil im ländlichen Raum die eigentlichen Herausforderungen liegen. Da mein Vater hier geboren wurde und noch immer entfernte Familie von mir hier wohnt, habe ich eine gute Ebene und fühle mich wohl hier. So wohl, dass ich auch bleiben würde.
An der Aufgabe der Landrätin reizen mich die Herausforderungen, vor denen wir hier stehen. Die zu hohe Abwanderung der 18- bis 24-Jährigen, die Probleme am Arbeitsmarkt, der drohende Fachkräftemangel, die Gesundheitsversorgung im gesamten Landkreis, die Mobilität aller. Die fehlende Lebensplanungssicherheit für die Jüngeren ist Stück für Stück zu bearbeiten.
Demgegenüber steht aber auch der Wille von UnternehmerInnen und HandwerkerInnen mitzuwirken. Vielleicht lohnt es sich auch mal die Jüngeren zu fragen, was sie zum Bleiben „überreden“ würde? Dort muss man ansetzen.
Vermutlich ist das Kernerarbeit in den nächsten Jahren. Aber sie ist nötig.
Es ist die Möglichkeit der Veränderung, die mich reizt.

Warum sind Sie als Landrätin geeignet?
Ich bin Geschäftsführerin einer Partei mit mehr als 9.000 Mitgliedern. Alles Ehrenamtliche, bunt zusammengewürfelt. Ich konnte dort unglaublich viel lernen, zum Beispiel, wie man Prozesse entwickelt, wie man einbindet, wie man schwierige Entscheidungen vorbereitet, wie man zu Kompromissen findet, wie man Transparenz herstellt, aber auch wie man Perspektiven jenseits der eingefahrenen Gedankenspiele entwickeln kann. Dort habe ich auch gelernt, dass man vor Ort sein und einbeziehen muss. Daneben weiß ich, für was die Ebenen in Politik zuständig sind und habe hier bereits persönliche Kontakte, die ich im Sinne des Landkreises nutzen kann. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich ins Erzgebirge neuen Schwung und Dynamik bringen kann, welche von Landrat Vogel vermutlich gar nicht gewünscht ist. Das Erzgebirge braucht diese aber. Ganz nebenbei kommen mir meine beruflichen Erfahrungen vor der Politik mit zugute.

Was ist Ihre Verbindung zum Erzgebirgskreis?
Meine Familie väterlicherseits, damit viele schöne Episoden in meinem Leben.
Die Menschen, die ich hier kenne. Die Landschaft und Ruhe, aber auch der Kampfgeist der Menschen hier.

Was ist für Sie „typisch Erzgebirge“?
Ganz ehrlich sind es schon die Räuchermännchen, die mir zuerst einfallen.
Aber typisch Erzgebirge ist für mich auch der Wochenendurlaub, Skifahren, Wanderungen, die Montanregion, Gastfreundschaft, Herzlichkeit und ein wenig Sturheit im positiven Sinne.

Welche Vision bzw. Vorstellungen haben Sie für den Erzgebirgskreis, konkret bezüglich: mehr Bürgerbeteiligung, ÖPNV, Drogenprävention, Fachkräftemangel, Überalterung, Ärztemangel, Umweltschutz, Umbau des Erzgebirgsstadions, Tourismus?
Ich will einen Dialog fürs Erzgebirge. Das heißt für mich zuerst, die hier lebenden Menschen mit einzubeziehen, sie zu fragen, ihnen wieder transparent zu machen, was eigentlich läuft, welche Entscheidungsspielräume es gibt.
Dabei will ich auch ein Informationsnetzwerk installieren, welches allen Altersgruppen gerecht wird. Ziel des Dialoges ist, dass die Menschen im Erzgebirge durch politisches Handeln wieder mehr Lebensplanungssicherheit bekommen. Also, dass Maßnahmen ergriffen werden und Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, dass sowohl Jüngere als auch Ältere das Gefühl haben, hierbleiben zu können. Bei den Jüngeren wird dabei ordentliche Bezahlung genauso wichtig sein wie Kitas und wohnortnahe Schulen. Bei den Jüngeren und Älteren gleichermaßen wird bei Lebensentscheidungen auch eine Rolle spielen, ob es medizinische Versorgung in ausreichendem Maße gibt. Daneben braucht es Freizeitmöglichkeiten und Mobilität, die sicherstellt, dass man Behördengänge, aber auch kulturelles Leben per ÖPNV erreichbar gestaltet.
Ich bin der Überzeugung, dass da mehr drin ist als bisher. Neben der Einbeziehung der hier lebenden Menschen ist mir wichtig, mal in Landkreise zu schauen, die sich besser entwickeln. Man kann doch auch vom Guten lernen und muss nicht immer das Rad neu erfinden. Dann werden sich auch die von ihnen aufgeführten Punkte wichten und sie werden nach und nach bearbeitbar.

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Website von Antje Feiks: www.antje-feiks.de

(Foto: Antje Feiks © DIE LINKE. Sachsen)