Kosmetik und Kunst in der fiole – und eine Vision für die Altstadt?

Mitte letzter Woche kam ich in der Altstadt an der fiole vorbei. Neben der Ladentür hing ein Kasten an der Wand, der war doch neu? Ein zweiter Blick: Sieben Ansichtskarten waren im Kasten und oben rechts ein Zettel: „je 0,50 €“ stand darauf. Schöne Karten, toller Preis! Also ging ich in den Laden. Und bieb ziem­lich lange drin …

Die Karten waren schnell gekauft, aussu­chen musste ich keine, da ich gleich alle sieben Motive mitnahm. Über die Karten kamen wir ins Gespräch, die Verkäuferin und ich. Uta Naumann verkauft nicht nur, sie ist auch die Inhaberin der fiole. Vor mehr als zwei Jahren hat sie diesen großen Schritt gewagt und in der Schwarzenberger Altstadt, in der Unteren Schloßstraße, ihr Geschäft eröffnet: eine Naturparfümerie. Hier gibt es eben nicht alles, was man übli­cher­weise in Parfümerien findet. Sondern Naturkosmetik, unter anderem von Korres und L’Occitane.

Mehr als die Kosmetik inter­es­sierte mich fürs Erste die Kunst im Laden. In den Regalen, zwischen Cremes und Parfüms, stehen einige Bilder von Antje Henkel-Ludwig. Letztes Jahr gab es in der fiole eine Ausstellung mit ihren Bildern sowie mit Skulpturen ihres Mannes Holm Ludwig. Die sieben schönen Schwarzenberg-Karten, die Uta Naumann in der fiole verkauft, zeigen Bilder dieser Ausstellung. Eine Ausstellung mit Antje Henkel-Ludwig wird es auch in diesem Jahr geben: Die Vernissage ist am 2. Oktober. Und damit gibt es dann auch eine zweite „Edition“ der Schwarzenberg-Karten: sieben neue Motive!

Die Idee zu diesen Schwarzenberg-Karten hatte Uta Naumann, sie hat die Karten gestaltet und in Druck gegeben. Das Schwarzenberger Stadtlicht war eben­falls ihre Idee. Und die Gestaltung der Litfaßsäule gegen­über der Stadtschule. Für ihre Parfümerie lässt sie sich natür­lich auch so einiges einfallen, beispiels­weise gibt es einmal im Jahr ein Fotoshooting mit einem Profi, der eine Visagistin und x-Kostüme mitbringt.

Ich finde es mutig, in der Altstadt ein Geschäft zu eröffnen, mit dem Kaufland direkt „nebenan“. Hier hat nur Chancen, wer sich gründ­lich über­legt, was Schwarzenberg und die Schwarzenberger brau­chen könnten. Und wer ein Konzept und gute Ideen hat. Wer sich enga­giert und nicht denkt, dass man ihm von selbst die Waren aus den Händen reißen wird. Die Produkte sind die eine Seite, die Kundenbindung die andere. Wer das nicht versteht, lernt es auf die harte Tour. Nicht umsonst stehen in der Altstadt aktuell viele Läden leer, und Anfang 2012 geben weitere Geschäftsinhaber auf bzw. ziehen um, aus der Altstadt weg.

Dabei ist die Altstadt schön und könnte gera­dezu ein Paradies zum Bummeln und Einkaufen sein. Könnte. Denn es ist zwar viel Betrieb in den Altstadtstraßen und -gassen, aber das sind vor allem Autos, die schnell von A nach B kommen wollen, von der Bahnhofstraße zur Eibenstocker Straße. Durchgangsverkehr in einem verkehrs­be­ru­higten Bereich … Dass das nicht optimal ist, hat man auch im Rathaus vor längerer Zeit gemerkt. Es gibt den Poller am Unteren Tor, der abends hoch­fährt und die Durchfahrt versperrt. Am Unteren und am Oberen Tor wurde umge­pflas­tert. Und bald soll der Marktplatz vor dem Ratskeller umge­staltet werden, mit Parkverbot für alles auf Rädern. Klingt gut, finde ich.

Die Meinungen unter den Ladenbesitzern in der Altstadt, den Anwohnern, den Kunden sind natür­lich geteilt: Die einen sagen, dass die Altstadt offen­bleiben muss, weil sonst irgend­wann niemand mehr in der Altstadt einkauft, wir sind hier ja alle sehr auto­ver­liebt. Die anderen sagen, dass die Altstadt eine Fußgängerzone werden sollte: das Auto draußen parken und drinnen nach Herzenslust bummeln, einkaufen, ins Café oder Restaurant gehen. Nun gibt es den Hammerparkplatz und den Schrägaufzug. Aber das ist wohl noch zu umständ­lich. Einen großen Parkplatz in Altstadtnähe sucht man verge­bens. Ein Parkhaus müsste her, über­legte Uta Naumann, und mit dieser Meinung steht sie nicht allein da.

Tatsache ist: Die Altstadt braucht ein Konzept, das sich nicht nur von Jahr zu Jahr hangelt und mal hier, mal da was macht. Sie braucht eine Vision. Und Leute, die sich dafür einsetzen. Wie weit man mit einer Vision kommen kann, zeigt zum Beispiel der Zoo Leipzig. Vor Jahren haben die Zooplaner ein Konzept in die Welt gesetzt und es Schritt für Schritt verwirk­licht, von Pongoland bis Gondwanaland – der Zoo der Zukunft! Das sind Dimensionen, die für Schwarzenberg utopisch sind, aber hier geht es ja auch nicht um einen großen Zoo, sondern um eine kleine Altstadt.

Ich ziehe den Hut vor jedem, der in der Altstadt einen Laden hat und hält und sich auf irgend­eine Weise enga­giert. Womit ich wieder bei der fiole und Uta Naumann wäre: Schauen Sie mal bei ihr vorbei! Und wenn Sie schon mal da sind, wie wärs mit einem kleinen Bummel durch die Altstadtgeschäfte, mit Kaffee und Kuchen oder Eis danach? Und was mich inter­es­sieren würde: Haben Sie Ideen für die Altstadt?

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fiole
Naturparfümerie
Untere Schloßstraße 9
08340 Schwarzenberg
www.fiole.de