Geothermie kann Erdbeben auslösen

Quasi nebenan, in Schneeberg, gibt es ja Pläne für ein Tiefengeothermie-Kraftwerk. Damit das Thema nicht in Vergessenheit gerät, hier der Hinweis auf einen Artikel, der am 22. Juli 2013 im Tagesspiegel erschien: „Wie der Mensch Erdbeben auslöst.“

Im Blog hatte ich zum Thema Geothermie im Erzgebirge auch schon geschrieben: „Böses Endlager, gute Geothermie?!“

Herrenmühle Schwarzenberg

Böses Endlager, gute Geothermie?!

Wir brauchen im Erzgebirge kein Endlager, wir strahlen schon genug (siehe Karte des Bundesamtes für Strahlenschutz). Ein Endlager will hier keiner, aber wer will das schon? In der lokalen Presse liest man zurzeit, dass die „Gerüchte“ um eine Endlagersuche nicht stimmten und wirklich „nur“ Messungen für ein eventuelles Geothermie-Kraftwerk durchgeführt werden.

Das ist auch eine Strategie, muss ich sagen. Denn wenn sich die Diskussion auf das Endlager konzentriert, verliert man leicht aus den Augen, dass ein Tiefengeothermie-Kraftwerk auch ein heikles Thema ist.

Dazu sollte man wissen, dass Tiefengeothermie sich in Deutschland noch in den Kinderschuhen befindet. Und die Geothermie-Werke, die es schon gibt, funktionieren mit heißem Wasser in der Tiefe. Hier im Erzgebirge ist in Tausenden Metern Tiefe (es geht um Bohrungen bis 5000 m) kein heißes Wasser, sondern heißes Gestein. Es gibt noch kein Geothermie-Werk in Deutschland, das unter diesen Bedingungen Wärme und Strom gewinnt.

Tiefengeothermie birgt Risiken: Mögliche Gefahren der Tiefengeothermie sind Erderschütterungen und Landabsenkungen bzw. -erhebungen. Dazu ein Zitat aus der Wikipedia: “Generell ist eine verlässliche Bewertung der Risiken durch tiefe Geothermie in Deutschland nur begrenzt möglich, da hierzulande bislang nur wenige langfristige Erfahrungswerte vorliegen” (wikipedia.org/Geothermie). Bei Tiefenbohrungen sind auch das Grundwasser und eventuell vorhandene Gase ein Thema.

Ausführlicher habe ich dazu schon im Juli geschrieben: Ein Geothermie-Kraftwerk im Erzgebirge?

Ich würde mir wünschen, vom Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik, dessen Forscher die Geothermie-Messungen im Erzgebirge durchführen, etwas zu den Risiken der Tiefengeothermie im kristallinen Untergrund (das Erzgebirge ist ein Kristallin-Gebirge) zu lesen. Wurde dazu schon etwas geschrieben, in der Presse?

In Basel gab es auch Pläne für ein Tiefengeothermie-Kraftwerk, bei kristallinem Untergrund. Das Projekt scheiterte, die Gefahr von Erdbeben durch das Projekt war zu groß: www.bazonline.ch/basel.

Geothermie und die Suche nach dem neuen deutschen „Atomklo“

In der Augustausgabe des Cicero interviewen die Journalisten Hartmut Palmer und Christoph Schwennicke den niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister. Ein Thema ist die „Energiewende“ und Gorleben. Einer der beiden Journalisten sagt: „Und Niedersachsen wird das Atomklo von Deutschland bleiben, wenn Sie weiterhin so gefügig sind.“ David McAllister antwortet unter anderem: „In einem ergebnisoffenen bundesweiten Suchprozess wird am Ende die Geologie entscheiden und nicht die Politik, welcher Standort geeignet ist oder nicht.“ (Cicero, August 2012, Seite 46)

Am 29. September 2011 hatte ich hier im Schwarzenberg-Blog über die Suche nach neuen Endlager-Standorten geschrieben, denn das Erzgebirge – die Gegend zwischen Olbernhau und Schneeberg – steht als Kandidat auf der Liste.

Am 17. Juli 2012 habe ich über die Messungen des Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik, im Bereich Zwickau–Stollberg–Schwarzenberg–Eibenstock–Zwickau, geschrieben: Es wird geprüft, ob das Erzgebirge vor unserer Haustür sich für ein Tiefengeothermie-Kraftwerk eignet.

Die sächsischen GRÜNEN haben schon Anfang des Jahres mit Atommüll-Endlager und den Geothermie-Messungen im Erzgebirge eins und eins zusammengezählt. Annekathrin Giegengack stellte eine Kleine Anfrage, Thema: „Bodenuntersuchungen im Erzgebirge durch das Leibniz-Institut“.

Die erste Frage, ich zitiere: „Ist ein weiteres Anliegen dieser Untersuchung die Gewinnung von Erkenntnissen, inwieweit vorhandene Bergwerke und Hohlräume die Lagerung von Atommüll zulassen könnten – wenn nein, welche Anliegen werden dann verfolgt?“

Die Antwort: „Es ist kein Anliegen dieser Untersuchung, Erkenntnisse zu gewinnen, inwieweit vorhandene Bergwerke und Hohlräume die Lagerung von ‚Atommüll‘ zulassen könnten. Die 3D-seismischen Messungen sollen ein Abbild des Untergrundes liefern, um geeignete Ansatzpunkte für eine Tiefenbohrung zur Gewinnung tiefer Erdwärme zu finden. Im Weiteren werden die Ergebnisse auch für die geowissenschaftliche Landesaufnahme zur Verfügung stehen.“

Sämtliche Fragen und Antworten dieser Kleinen Anfrage sind online einsehbar: www.landtag.sachsen.de.

Wenn die Ergebnisse da sind, kann man sie sicher auch bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager heranziehen.