Waldbegang am Dienstagabend oder: Was ist noch mal eine Forsteinrichtung?!

„Waldbegang“ ist ein eher sperriges Wort, der Duden kennt es nicht. Dafür Forstleute und Verwaltungsmenschen, und ich seit Kurzem auch. Vor knapp zwei Wochen kam eine Mail vom Stadtförster bzw. Revierforstleiter der Stadt Schwarzenberg, Christian Arnold, der mitbekommen hat, dass ich mich für Bäume und Grünzeug in der Stadt interessiere, und fragte, ob ich am Waldbegang am 2. September teilnehmen wolle. Der war nämlich öffentlich, jeder konnte mitkommen (stand in der Freien Presse, im BLICK usw., ich hatte es allerdings nicht gesehen), es war nur eine Anmeldung nötig, da alle Teilnehmer in Forstautos durch den Wald gefahren wurden.

Waldbegang also, konkret ein „Waldbegang zur Forsteinrichtung im Kommunalwald der Stadt Schwarzenberg“. Klingt komplizierter, als es ist. Waldbegang ist ja klar, man geht eben in den Wald. Für das schöne Wort „Forsteinrichtung“ muss ich etwas weiter ausholen: Der Wald um Schwarzenberg darf nicht so vor sich hinwachsen, wie er will, er wird bewirtschaftet – Bäume werden gefällt und gepflanzt, das Holz wird verkauft usw. Für diese Bewirtschaftung braucht es einen Plan, laut sächsischem Waldgesetz müssen Betriebspläne für eine Zeitspanne von zehn Jahren aufgestellt werden, in Schwarzenberg ist derzeit ein neuer Betriebsplan fällig. Und Basis des Betriebsplans ist die Forsteinrichtung: Da wird erfasst, in welchem Zustand der Wald ist und ob die bisherige Bewirtschaftung erfolgreich war, eine Art Inventur also. Auf der Basis wird die künftige Bewirtschaftung geplant. Für die Forsteinrichtung hier ist der Staatsbetrieb Sachsenforst zuständig.

Dass der Wald (durch Fällungen) Geld bringt, ist nur ein Ziel unter mehreren. Wichtig ist unter anderem auch, dass sich Einheimische und Touristen im Wald wohlfühlen, ob beim Spazieren, Wandern, Pilzesammeln, Fahrradfahren, Skilaufen. Der Wald sollte also nicht so aussehen, dass man sich mit Grausen abwendet (wegen Kahlschlags zum Beispiel). Keine leichte Aufgabe, da ein Wald nun mal kein Garten ist, und schon in einem Garten kann ja einiges anders laufen, als der Gärtner oder die Gärtnerin sich das vorstellt.

Treffpunkt an jenem 2. September, einem Dienstag, war 17 Uhr beim Pollermann, von dort ging es im Auto in den Forst. Mit von der Partie waren vor allem Schwarzenberger Stadträte sowie Leute aus der Verwaltung, Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer, Sachsenforst-Mitarbeiter und Stadtförster Christian Arnold (sowie drei Hunde). Die Forsteinrichtung vor Ort führt Ulrich Escher vom Sachsenforst durch, er hatte einen Exkursionsführer vorbereitet (ein Heft mit Text und Fotos) und erzählte an den vier Exkursionspunkten, wie es dort um den Wald bestellt ist und was unternommen werden sollte.

Ein einziges Foto habe ich gemacht, ansonsten war ich damit beschäftigt, zuzuhören. Es nieselte immer mal und war im hohen Fichtenwald nicht gerade hell, entsprechend dunkel ist das Foto, siehe unten. Macht aber nichts, immerhin erkennt man, dass da jemand steht und eine Baumscheibe in den Händen hält, das ist Ulrich Escher, der in die Baumscheibe drei Fähnchen gesteckt hatte (Wende, 850-Jahrfeier Schwarzenberg, Tag der Sachsen 2013 in Schwarzenberg), um zu demonstrieren, wie schnell (oder langsam, je nachdem) so ein Baum wächst. Auch sonst war das Ganze ziemlich anschaulich, mit bunten Bändern um manche Bäume beispielsweise, um zu zeigen, welche Bäume stehen bleiben und welche drumherum gefällt werden sollten, damit die zu erhaltenden Bäume genug Licht bekommen und Platz haben. Jetzt weiß ich auch, warum man hin und wieder an Baumstämmen Punkte sieht, die machen die Forstleute drauf, wenn sie die Bäume vermessen.

Pläne für die Bewirtschaftung gehen auch mal schief, das wurde am vorletzten Exkursionspunkt deutlich. In dem Bereich (circa 0,2 ha groß) waren im Herbst 2011 1000 Rotbuchen gepflanzt worden, wegen der Nähe zum Waldweg wurde auf einen Schutzzaun verzichtet. Von den Pflanzen fand Ulrich Escher im Sommer 2014 nur noch 164, 97 davon waren geschädigt, unter anderem durch Verbiss. Nun wird vorgeschlagen, dort circa 30 Prozent der alten, hohen Fichten zu fällen und dann Bergahorne zu pflanzen, die relativ schnell wachsen, jedoch eine Umzäunung brauchen.

Wenn die Forsteinrichtung abgeschlossen ist und der Betriebsplan steht, wird der Stadtrat darüber abstimmen, dann setzt es der Stadtförster um. Aber das dauert noch eine Weile.

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