Daily Archives: 17. Juli 2012

Ein Geothermie-Kraftwerk im Erzgebirge?

Neulich stieß ich in der Lokalzeitung auf einen kleinen Artikel, der leider online nicht vollständig zu lesen ist (Link). Darin wurden Leute vom Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik angekündigt, ab Mitte August (bis Oktober) werden sie in der Gegend Messungen durchführen. Inklusive Rüttelplatten und Sprengungen, in dem Bereich Zwickau–Stollberg–Schwarzenberg–Eibenstock–Zwickau. Auch am Jägerhaus. Worum es geht: Es soll geprüft werden, ob das Erzgebirge und das Gebirge vor unserer Haustür sich für ein Tiefengeothermie-Kraftwerk eignen.

Geothermie ist Erdwärme, die oberflächennah oder aus der Tiefe gewonnen wird. Sie kann zum Heizen wie  z. B. bei  der Wärmepumpenheizung (oberflächennahe Geothermie) genutzt werden. Die Erdwärme aus tieferen Schichten (Tiefengeothermie) dient der Wärme- und Stromerzeugung. Es gibt bisher nur wenige solcher Kraftwerke und deshalb kaum Erfahrung über deren Auswirkungen auf die Umwelt. Siehe auch: www.geothermie.de/wissenswelt.

Das Erzgebirge ist ein Kristallin-Gebirge (wikipedia.org/Kristallin). “Stellen sich die Kristallin-Strukturen im Erzgebirge als geeignet heraus, soll zunächst eine Bohrung bis in 5.000 Meter Tiefe vorgenommen werden. Liegen die notwendigen Bedingungen vor, soll in der Region ein Tiefengeothermie-Kraftwerk entstehen. (…) Bislang gibt es in Deutschland nur drei Tiefengeothermie-Kraftwerke, die alle schon vorhandenes heißes Wasser im Untergrund verwenden. Ein Vorbildprojekt für das potentielle Kraftwerk im Erzgebirge existiert bislang nur in Frankreich”, ist auf www.klimaretter.info/forschung ganz konkret zum Projekt im Erzgebirge zu lesen.

Die Tiefengeothermie befindet sich in Deutschland offenbar in den Kinderschuhen, und das Erzgebirge könnte mit einem solchen Tiefengeothermie-Kraftwerk eine Art Versuchsobjekt, die Erzgebirger zu “Versuchskaninchen” werden.

Mehr oder weniger tiefe Bohrungen und die Gewinnung von Energie aus der Erdkruste können Risiken bergen. Das zeigen unter anderem Erfahrungen in Basel, wo die Geothermie-Risikoanalyse ein zu großes Erdbebenrisiko durch Geothermie feststellte (www.bazonline.ch/basel).

Mögliche Gefahren der Tiefengeothermie sind Erderschütterungen und Landabsenkungen bzw. -erhebungen. Dazu ein Zitat aus der Wikipedia: “Generell ist eine verlässliche Bewertung der Risiken durch tiefe Geothermie in Deutschland nur begrenzt möglich, da hierzulande bislang nur wenige langfristige Erfahrungswerte vorliegen” (wikipedia.org/Geothermie). Bei Tiefenbohrungen sind auch das Grundwasser und eventuell vorhandene Gase ein Thema.

Die Messungen im Erzgebirge beginnen ja erst, wer weiß, welches Ergebnis sie bringen. Als Laie in dieser Sache wundere ich mich aber, dass das Erzgebirge mit seiner Bergbauvergangenheit für ein solches Projekt überhaupt ernsthaft geprüft wird. Man stelle sich in unserer Gegend Erderschütterungen und Landabsenkungen durch die Tiefenbohrungen (bis 5000 Meter!) vor – mit all den Stollen und Höhlen vom Bergbau.

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Weitere Informationen:

  • ein Artikel auf www.idw-online.de (idw – Informationsdienst Wissenschaft): “Forscher durchleuchten Sachsens Untergrund”

Ein kurzes Zitat aus diesem Artikel: “Das Institut bittet die Bevölkerung im Erzgebirge um die wohlwollende Unterstützung seines Forschungsvorhabens. Es wird seinerseits über die Arbeitsfortschritte und Ergebnisse zeitnah in den örtlichen Medien und bei Informationsveranstaltungen berichten.”

–> Da wir Erzgebirger größtenteils alles aussitzen, werden die Forscher vermutlich auf Gleichgültigkeit bzw. freundliches Entgegenkommen stoßen. Diskutieren können wir allerdings auch ganz gut, also hoffe ich auf kritische Fragen bezüglich der Risiken von Tiefengeothermie, gerade hier im Erzgebirge, und auf Fragen nach den Konsequenzen dieser Forschungen. Denn Forschung ist das eine, die mögliche Konsequenz, ein Tiefengeothermie-Kraftwerk im Erzgebirge, das andere.

  • die Website des Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik www.liag-hannover.de: “Seismik im Kristallin Sachsen (SiKS)”

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Bernd-Lutz Lange: Lesung in Schwarzenberg

Eine richtig schöne Lesung kann glücklich machen. Klar, nicht für immer, aber ein paar Stunden sind ja auch schon was wert. Bernd-Lutz Lange war am Freitag, den 13. Juli in Schwarzenberg und hat rund anderthalb Stunden aus seinem aktuellen Buch gelesen, “Das Leben ist ein Purzelbaum” heißt es. Mir gefällt der Titel ja nicht so besonders, ich denke da eher an ein Kinderbuch oder an etwas leicht Altbackenes. Das ist es aber beides nicht, sondern eine Sammlung von kurzen Geschichten und Anekdoten, die Bernd-Lutz Lange im Laufe der Jahre gesammelt hat. Manches selbst erlebt, anderes irgendwo gelesen, gehört, auch nach Lesungen hat man ihn schon angesprochen und ihm feine Anekdoten aus dem Familienschatz versprochen (und später geschenkt).

Es gab also verdammt viel zu lachen am Freitag bei Bernd-Lutz Lange: Zum einen waren die Geschichten gut, zum andern hat er als Kabarettist natürlich das Vortragen und Moderieren bestens drauf. Die Leute im Publikum gingen richtig mit, und auch der Raum war toll. Der große Saal im Ratskeller – das hat einfach gepasst. Der Saal war voll, die Akustik gut, sodass auch in den letzten Reihen alle verstehen konnten, worüber die Leute ganz vorn lachten.

Zwei weitere Büchlein hatte Bernd-Lutz Lange mit, aus denen er auch las, eins war die “Gebrauchsanweisung für Leipzig”. Ich hab zwar x-Jahre in Leipzig gelebt, will aber trotzdem (oder gerade deswegen) wissen, was Lange so darüber schreibt … Also hab ich das Buch gekauft und denke an einen richtig guten Abend, wenn ich es aus dem Regal nehme. Perfekt!

Der große Saal im Ratskeller war voll …

Bernd-Lutz Lange ernst …

… aber er hat auch ab und zu gelacht.

Der Saal nach der Lesung.

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